Social Bookmarks

Share |

Mitgliedschaften u.a.

Mitglied im Anwaltsverein
Datev-Mitglied
In Focus 24/2000 wurde eine Liste von 26 empfohlenen Anlegeranwälten veröffentlicht, zu denen damals bereits Wilhelm Lachmair zählte.
Empfohlene Wirtschaftskanzlei für Kapitalanlagerecht

Geschädigt?

Kontaktieren Sie uns:
Per Telefon: 089/216 333-0
Per Fax: 089/21 63 33 - 31
Per eMail: info(at)ra-lachmair.de
Per Online-Formular

Erstberatung:
Erstberatung für Geschädigte

Suchen

Weitere Angebote

Die Ratlosigkeit geht weiter

BAFin-Entscheidung bezüglich Vermittlungsverbot für IFF und Ravena durch VG Frankfurt/Main gekippt – Bedenken gegen Fondskonzeption bestehen weiter – hoch riskante Beteiligung mit problematischen Partnern.

München, 08.11.2005; Wir berichteten bereits unter Alte Bekannte über das aktuelle Projekt von Michael Turguts IFF und Klaus Thannhubers Privatbank Reithinger. Bei näherem Hinschauen finden wir in der Tat ein äußerst problematisches Produkt, das gewisse Ähnlichkeiten mit der Vermögensvernichtungsmaschine der Securenta nicht verleugnen kann. Umso drastischer sind die Hinweise schon ganz zu Anfang des Prospekts.

 

 

Drastische Risikohinweise

Die deutlichen Warnungen erinnern an die Art und Weise, in der Warenterminvermittler ihre Kunden auf den sicheren Verlust ihres Kapitals vorzubereiten pflegen. Jedenfalls sollte man sie unbedingt ernst nehmen. Die Erklärungen sind teilweise überraschend. So erstaunt nicht wenig, wenn es schon ganz zu Anfang heißt:

 

 

„Dieser Prospekt enthält keine Gewährleistung dafür, dass die hierin enthaltenen Informationen zu einem Zeitpunkt nach dem 16. Juni 2005 noch zutreffend sind, sofern nichts anderes angegeben ist. Interessierten Anlegern wird empfohlen, eine eigene Prüfung der rechtlichen, steuerlichen, finanziellen oder sonstigen Folgen einer Beteiligung an der Fondsgesellschaft durchzuführen und ggf. einen eigenen Berater zu Rate zu ziehen.

 

...

 

Nur erfahrene Anleger sollten sich and er Fondsgesellschaft beteiligen, da eine solche Beteiligung die finanzielle Fähigkeit und Bereitschaft voraussetzt, die mit ihr verbundenen Risiken zu akzeptieren. Potentielle Anleger müssen bereit sein, solche Risiken auf unbestimmte Zeit in Kauf zu nehmen. Es besteht keine Garantie dafür, dass die Investitionsstrategie oder Ziele der Fondsgesellschaft erreicht werden oder dass die Gesellschafter ihr investiertes Kapital zurückerhalten.

 

...

 

Dieser Emissionsprospekt enthält Informationen, die auf Prognosen, Schätzungen und Annahmen über zukünftige Entwicklungen beruhen. Diese Informationen dienen ausschließlich Illustrationszwecken und stellen keine Garantie, Zusicherung oder Fakten dar.“

 

 

Und das ist keinesfalls übertrieben. Es handelt sich um eines jener höchst problematischen Blind-Pool-Konzepte, die in der Vergangenheit schon großen Schaden bei Anlegern angerichtet haben. Ob die hier vorliegenden Rahmenbedingungen den Anlegern ein günstigeres Schicksal als denjenigen der Securenta-Göttinger Gruppe verheißen, bleibt gerade im Lichte der vorstehenden Hinweise absichtlich im unklaren.

 

Dabei dürfte sich der Prospektinhalt sehr deutlich von dem unterscheiden, was die Vermittler ihrer keineswegs in allen Punkten erfahrenen Klientel im Rahmen der Vermittlungsgespräche so alles erzählen. Wenn ein derartiges Produkt auf „erfahrene Anleger“ bauen müsste, dürften die Vertriebschancen minimal sein.

 

 

Gefährlicher Blind-Pool ohne Grenzen

Die Fondsgeschäftsführer, unterstützt diesmal von einem noch zu wählenden „Portfolio-Manager“, dürfen wieder einmal alles. Gekauft werden darf von Immobilien über „Private Equity“, Wertpapierfonds und „alternative Investments“ (bitte englisch aussprechen) bis hin zu Hedge-Fonds. Eine weitere Spanne also, die alles abdeckt, was auf dem Kapitalmarkt so möglich ist. Geschäftsführerin ist die Privatbank Reithinger.

 

Die besondere Gefahr derartiger Konzepte liegt darin, dass man nicht ohne weiteres sieht, ob der Verlauf plankonform, schlechter oder besser ist. Dies schon deshalb, weil es gar keinen nachvollziehbaren Investitionsplan gibt. Da sollte man schon sehr genau prüfen, wem und an was man sich da ausliefert. Und die beteiligten Personen haben sich in der Vergangenheit nicht unbedingt als Engel erwiesen (Alte Bekannte). Und sie haben freie Hand.

 

 

Drastische Gebührenlast

Im Prospekt wird auf ein Totalverlustrisiko hingewiesen, was einen angesichts der hier im Raume stehenden Anlagemöglichkeiten zunächst erstaunt. Sicher sind bei Investmentfonds und Unternehmensbeteiligungen wie auch bei Immobiliengeschäften Verluste möglich. Das dürfte sich zwischenzeitlich allgemein herumgesprochen haben. Aber gleich Totalverlust?

 

Die Sorge ist gleichwohl berechtigt. Im Vergleich zu seriösen Anlageformen ungewöhnlich hoch ist die Vermittlungsprovision. Die beträgt unter Einschluss des Agios knapp 12 % des von den Anlegern zu zahlenden Gesamtbetrages incl. aller jemals fälligen Raten. Nur ein geringes Zugeständnis ist dabei, dass maximal Beteiligungsdauern von 30 Jahren berücksichtigt werden. Hier kommt einiges zusammen, was zudem schon ganz zu Anfang fällig wird.

 

Geld, das schon zu Beginn fehlt und wieder erwirtschaftet werden muss. Geld, dass der Fonds vorsorglich schon im Vorhinein an die Vertriebsgesellschaft abgetreten hat. Und die Vermittlungsprovision ist nicht der einzige Kostenblock, der die Wirtschaftlichkeit der Anlage belastet. Hinzu kommt eine „Marketinggebühr“ von weiteren 0,58 % des gesamten Vertragsumfanges nach dem Motto: Kleinvieh macht auch Mist.

 

Zudem ist die Vertriebsorganisation Ravena AG nicht die einzige, die die Hand aufhält. Die Herausgeberin des Fonds, eine Europe Securities Invest SECI GmbH Wertpapierhandelsbank, eine Reithinger-Tochter, bekommt weitere 0,8 %, fällig mit Eingang der Einmaleinlage. Dazu addieren sich 1,2 % Betreuungsvergütung und weitere 2 % der laufenden jährlichen Einnahmen, selbstverständlich zuzüglich Portokosten.

 

Und die Privatbank Reithinger bekommt auch 1,3 % des gezeichneten Gesellschaftskapitals zuzüglich Umsatzsteuer für die Geschäftsführung. Und noch 0,1 % des durchschnittlich verwalteten Vermögens für die Führung der Depotkonten. Das kann angesichts der Art und Weise, wie die vorstehenden Parteien abgreifen, allerdings nicht mehr allzu viel sein. Das Geschäftsmodell ähnelt in diesem Punkt stark demjenigen der Göttinger Gruppe.

 

Was dort mit dem Geld der Anleger geschehen ist, ist bekannt. Durch die hohen am Anfang anfallenden Kosten fehlt von Beginn an Liquidität. Dies hemmt jede anfängliche Investitionstätigkeit. Dass die dann mit den vergleichsweise niedrigen laufenden Raten noch einen Umfang erreichen kann, der die Anlageziele als erreichbar erscheinen lässt, ist aus unserer Sicht wenig wahrscheinlich. Aber vielleicht haben wir schon zu häufig derartige Modelle scheitern sehen. Gerade die Vorverlagerung der Kosten ist ein Erfolgshemmer ohnegleichen. Die Praxis ist bei den mit ungleich niedrigeren Kosten wirtschaftenden Lebensversicherungen zwischenzeitlich von BGH und Verfassungsgericht kassiert worden.

 

 

Geringe tatsächliche Investitionen

Ob es vor einem solchen Hintergrund überhaupt im nennenswerten Umfang zu Investitionen kommt, muss wohl die Zukunft klären. Erhebliche Bedenken der BAFin sind auf jeden Fall nachvollziehbar. Aufgrund unserer bisherigen Erfahrung mit vergleichbaren Modellen muss man der Konzeption ein schadenstiftendes Potential zumessen. Da passt es gut dazu, dass im ersten Jahr die Vertriebsprovisionen die Investitionen aus Eigenkapital um etwa das Vierfache übertreffen.

 

Wenig hilfreich ist da die Mittelverwendung. Wer sich einen Investment-Fonds zulegen möchte, der ist besser beraten, sich von einer qualifizierten Adresse einen solchen – besser noch mehrere – empfehlen zu lassen. Und wer unbedingt in Immobilien investieren möchte, sollte überlegen, ob er mit einem jederzeit veräußerlichen offenen Fonds nicht besser bedient ist. Allein schon die ersparten unsinnigen Kosten wiegen die Steuervorteile der genannten Konzeption leicht auf.

 

Und man hat die Möglichkeit, ggf. zu wechseln oder etwas ganz anderes mit seinem Geld anzufangen. Bei dieser Gelegenheit sollte auch berücksichtigt werden, dass die hier beschriebene Anlage äußerst langwierig ist. Ihre Flexibilität ist nur noch mit derjenigen der gesetzlichen Rentenversicherung zu vergleichen, die Renditechancen liegen nach unserer Einschätzung noch deutlich darunter.

 

Wir können hier nur warnen. Wenn Ihnen Vertriebsorganisationen derartige Beteiligungen anbieten, sollten Sie überprüfen, ob es sich hier um eine sinnvolle Geschäftsbeziehung handelt. In jedem Falle sollten sich die Versprechungen der Vertriebe mit den eingangs dargestellten, dem Originalprospekt entnommenen Risikohinweisen vereinbaren lassen. Und die sind ernst gemeint – lassen Sie sich nicht täuschen.