Für Anleger kein Ende in Sicht

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Multi Advisor Fund I GbR und Capital Advisor Fund II GbR

Kein Ende in Sicht

 

München, 21.04.2010; Die Gesellschafter der beiden Fonds Multi Advisor Fund I GbR und Capital Advisor Fund II GbR wurden Anfang April über die im Mai stattfindenden Gesellschafterversammlungen und die jeweilige Tagesordnung informiert. Beigefügt war auch ein von der Pape & Co GmbH Steuerberatungsgesellschaft erstellte Vermögensaufstellung sowie eine Stimmrechtsvollmacht mit konkreten Abstimmvorschlägen der Geschäftsführung.

Dabei enthält die Tagesordnung durchaus Themen, die ausführlich zu diskutieren wären und auch einige Fragen aufwerfen. Wie in jedem Jahr sollen Vermögensaufstellung und Ergebnisfeststellung, diesmal für 2008, genehmigt und festgestellt werden(vgl. unseren Bericht).  Die problematische wirtschaftliche Situation wird bei beiden Gesellschaften schon mit dem Hinweis darauf umrissen, dass „durch die geringe Einzahlungsquote 2008“ „der Fondsgesellschaft nicht in ausreihendem Umfang ertragbringendes Investitionskapital zur Verfügung“ stand, „um bei der festgeschriebenen Kostenbelastung einen Überschuss zu erzielen“.

In Zahlen bedeutet dies beim Multi Advisor Fund I, dass bis Ende 2008 ca. 20 Mio. € eingezahlt wurden. Gleichwohl hat man 2008 allem Anschein nach keine nennenswerten Investitionen getätigt. Stattdessen waren „FT-Kosten“, was wohl Fremdträgerkosten heißen soll, von 1,9 Mio. € und Anwalts- und Rechtskosten zu tragen. Bei der Nachfolgegesellschaft Capital Advisor Fund II ist die Situation nicht besser. Dort sind nach den Angaben der Gesellschaft bis Ende 2008 ca. 10 Mio. € eingezahlt, Investitionen sind nicht ersichtlich. Ausgewiesen werden nicht näher erläuterte „mittel- und langfristige sonstige Vermögensgegenstände von 2,250 Mio. €, was auch immer das sein mag. Auch diese Gesellschaft produziert einiges an Anwaltskosten. In der Ergebnisermittlung werden für 2008 „verschiedene betriebliche Kosten“ von knapp 500.000,-- € ausgewiesen.  

Die Anwaltskosten betreffen Verfahren, die die Gesellschaften gegen Anleger führen, die ihre Ratenzahlungen eingestellt haben. Bei der Gesellschaft geht man davon aus, dass die Verfahren gewonnen werden und die Anleger die Anwaltskosten tragen müssen. Inzwischen sind verschiedene Urteile ergangen, die die Klagen der Gesellschaften zurückweisen. So hat etwa das LG Zwickau aktuell mit Urteil vom 01.04.2010, mit Ausnahme eines geringfügigen Teils, die Klage der Multi Advisor Fund I  GbR gegen einen von uns vertretenen Anleger zurückgewiesen. Das Landgericht Ellwangen hat am 29.01.2010 in 2. Instanz das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Schwäbisch Gmünd, das die Klage der Multi Advisor Fund I GbR zurückgewiesen hatte, bestätigt. Weitere Entscheidungen ließen sich anführen.

Diese Entwicklung zeigt, dass eine Vielzahl von Anlegern, an dem Modell, dessen Plausibilität schon allein wegen der Kostenstruktur fragwürdig ist, nicht mehr festhalten will und den Ausstieg sucht. Ob in dieser Situation eine massenhafte Inanspruchnahme von Anlegern, die ihre Einzahlungen gestoppt haben, dann noch dem Interesse der Anleger, auch jener, die noch weiterzahlen, entspricht, ist fraglich. Die Urteile zeigen jedenfalls, dass die von der Geschäftsführung vertretene Auffassung zu den Erfolgsaussichten der Klagen wohl nicht uneingeschränkt gilt und mit Prozess- und letztlich Kostenrisiken behaftet ist, die letztlich die Gemeinschaft der Anleger tragen muss.  

Dabei wäre in einer Situation, in der zahlreiche Anleger an dem Modell offensichtlich nicht mehr festhalten wollen oder können aus unserer Sicht auch über andere Lösungen nachzudenken, wie etwa eine möglichst kostengünstige Abwicklung der Gesellschaft. Dazu wäre aber ein intensiver Austausch mit und zwischen den Anlegern sowie ein uneingeschränkter Einblick in alle wirtschaftlichen Belange der Gesellschaft erforderlich.  

Alle darauf gerichteten Bemühungen einzelner Anleger werden aber mit Nachdruck zurückgewiesen, so etwa der Vorschlag eines Anlegers, einen Beirat zu bilden. Was spricht dagegen, wenn Anleger sich engagieren und so einen unmittelbaren Einblick in die Geschäftspraktiken bei den Fonds erhalten?

Stattdessen wird der Ladung ein mit „Anlegerinformation“ überschriebenes Hinweisblatt beigefügt, in dem die Angst bei den Anlegern vor der Weitergabe ihrer Kontaktdaten geschürt wird mit Verweis auf Gerichtsentscheidungen, die datenschutzrechtliche Bestimmungen verletzen würden. Dabei folgen diese Gerichte nur der höchstrichterlichen Rechtsprechung. Entsprechend hat der Bundesgerichtshof gerade für eine BGB-Gesellschaft entschieden, dass Gesellschafter einen Anspruch darauf haben, Auskunft über Namen und Anschriften ihrer Mitgesellschafter zu verlangen. Denn es gibt zwischen den Gesellschaftern kein schützenswertes Interesse auf Anonymität unter datenschutzrechtlichen Gesichtspunkten.  

Mit dem Schreiben suggeriert man aber den Anlegern gegenüber, ihre persönlichen Rechte seien in Gefahr, wenn die Daten weitergegeben werden. Man greift dann noch zum Trick einer Schweigensfiktion. Wenn die Anleger nicht ausdrücklich ihre Bereitschaft mit der Weitergabe ihrer Daten erklären, gilt die Weitergabe als verweigert. Ob das Schweigen dann wirklich als Erklärung gewertet werden kann, ist fraglich. Anleger sollten sich aber überlegen, ob ein Kontakt zu anderen Gesellschaftern nicht auch sinnvoll sein kann, etwa um die weitere Verfahrensweise mit der Gesellschaft abzustimmen.   

Auch der Wechsel der geschäftsführenden Gesellschaft wirft erhebliche Fragen auf. Da wird so nebenbei erwähnt, dass die bisherige geschäftsführende Gesellschaft, die European Securities Invest SECI GmbH, Insolvenz angemeldet hätte und man nun die ADF Verwaltungs GmbH zur neuen Geschäftsführerin bestellen wolle. Tatsächlich hat die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht den Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens gestellt, wie dem Eröffnungsbeschluss des Insolvenzgerichts zu entnehmen ist. Dies ist immerhin ein einschneidender Schritt bei einer Bank, für den es erheblichen Erklärungsbedarf gibt.

Die Verantwortlichen werden sich unseren kritischen Fragen stellen müssen. Wir werden dann berichten.

Ansprechpartner: Rechtsanwältin Jana Narloch